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Dieser Artikel stammt aus der Volksstimme vom 19. April 2006

Volksstimme-Serie "Bahnstrecken im Altmarkkreis"

Betriebsfeier: Bis 1986 ging's mit dem Zug zur "Feinen Sache"

Die Volksstimme stellt in ihrer Serie "Bahnstrecken im Altmarkkreis" in den nächsten Wochen die Geschichte von noch existierenden und fast vergessenen Zuglinien in der Region vor. In der heutigen sechsten Folge: die Verbindung Salzwedel - Kalbe.

Von Bodo Habermann und Torsten Adam

Salzwedel. Für den Bau einer Bahnverbindung von Salzwedel nach Winterfeld gründete sich 1901 die "Salzwedeler Kleinbahn GmbH Südost". Hier war der bekannte Bahnleiter Heinrich Adrian tätig. So begannen nach den üblichen Vorbereitungen auch recht zügig die Bauarbeiten einer weiteren 1000-Millimeter-Schmalspurbahn. Es waren drei Bauabschnitte vorgesehen: Salzwedel - Neustadt - Mahlsdorf, Mahlsdorf - Rittergut Bussen und Bussen - Winterfeld. Am 1. September 1902 erfolgte die Betriebseröffnung. 26 Rollblöcke waren für den Transport von normalspurigen Güterwagen auf den Schmalspurgleisen vorhanden. In Winterfeld bestand Anschluss an die normalspurige Kleinbahn Beetzendorf - Badel - Calbe/Milde (heute Kalbe/Milde).

Badel ersetzt Winterfeld

Das Umladen von Gütern von Schmalspur auf Normalspur brachte in Winterfeld genau wie zur damaligen Zeit in Diesdorf beträchtliche Nachteile. Von Salzwedel-Neustadt wurde über Salzwedel-Altperver Tor zur damaligen Düngemittelfabrik (später Chemiewerk) ein Dreischienengleis verlegt. Somit war es möglich, sowohl Schmalspur als auch Normalspurwagen mit Gütern zu befördern. Mit der Zeit zeigte sich aber, dass der schwache Oberbau und die Betriebsmittel zwischen Salzwedel und Winterfeld nicht längerfristig tragbar waren. In den Jahren 1925/26 erfolgte die Umspurung auf Normalspur. Ab Jeggeleben gab es eine neue Trasse. Sie führte nicht mehr nach Winterfeld, sondern nach Badel. Dort gab es einen direkten Anschluss nach Kalbe. Der Abschnitt Winterfeld - Jeggeleben wurde abgebaut.
Der Personen- und Güterverkehr entwickelte sich recht gut zwischen Salzwedel und Kalbe. Besonders der Schülertransport hatte große Bedeutung, zumal damals noch viele Landschulen existierten. An Gütern wurde alles befördert, was es in der Landwirtschaft gab. Ob Vieh, Getreide, Kartoffeln oder Zuckerrüben: Alles gelangte auf dem Schienenweg zum Empfänger. Die kleinen Dampfloks hatten viel zu bewegen, sie wurden dann durch die leistungsfähige Baureihe 64 abgelöst. Später kamen auch noch Dieselloks zum Einsatz. Betriebe bestellten für ihre Mitarbeiterfeiern gern einen Sonderzug zur "Feinen Sache" nach Jeggeleben. Die Deutsche Reichsbahn ersetzte ihre Dampflok-Personenzüge durch Triebwagen älterer Bauart. Dann kamen die "Ferkeltaxen" zum Einsatz.
Durch die großen Mengen an Schwefelkies und den Abtransport von Düngemitteln brauchte das Chemiewerk in Salzwedel große Transportkapazitäten. So wurde eine neue Trasse von der Strecke Salzwedel - Oebisfelde mit einer Brücke über die Jeetze gebaut. Es entstand ein neuer Verschiebebahnhof in Krinau für die Transporte zum Chemiewerk. Auch die Personenzüge Salzwedel - Kalbe verkehrten fortan nicht mehr über Salzwedel-Altperver Tor, sondern über Salzwedel-Altstadt. Damit verlängerte sich die Bahnstrecke um 1,4 Kilometer. Allerdings konnten die Güterzüge nur von Salzwedel nach Krinau und zurück fahren. Eine Möglichkeit über ein so genanntes Gleisdreieck gab es nicht. Wichtige Kunden der Bahn waren am Stadtrand von Salzwedel die Kerzenfabrik und die Gummifabrik. Heute benutzen beide Betriebe sowie ein Bauhandel auf dem Fuchsberg die Straße.
1986 verschwand die Bahnverbindung Salzwedel - Kalbe aus dem Fahrplan der Deutschen Reichsbahn. Wenige Busverbindungen zwischen beiden Städten haben sie ersetzt, am Wochenende allerdings nur unzureichend. Noch erinnern Gleisanlagen an die einst sehr belebte Kleinbahnstrecke.


Mitte 1975 war die Dampflok 896009 mit Tender und Behelfspersonenwagen letztmalig in der "Feinen Sache" bei Jeggeleben zu bestaunen.


Die Dampflok 91134 mit historischem Wagenpark am 8. April 1994 bei der Abfahrt vom Kalbenser Bahnhof nach Hohenwulsch. Acht Jahre zuvor verschwand die Verbindung nach Salzwedel aus dem Fahrplan.  Fotos: Bodo Habermann


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